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Die Tabula - das Heft der alten Römer

Latein 3

Lateinschüler der 6. Jahrgangsstufe basteln Wachstafeln

Die alten Römer meißelten die Texte, welche für die Ewigkeit erhalten bleiben sollten, in Stein. Sie besaßen jedoch auch die sogenannte tabula (lat. tabula = Wachstafel, Schreibtafel). Diese Tafel wurde zum Beispiel in der Schule genutzt. Mit der Spitze des Griffels kann man Notizen in das Wachs ritzen, mit der flachen Rückseite kann man mit ein wenig Druck das Geschriebene wieder löschen.

Die Lateinschüler der diesjährigen 6. Jahrgangsstufe erfuhren von älteren Schülern von der Bastelaktion der Schreibtafeln im letzten Schuljahr, woraufhin sie ihre Lehrer auch um so eine Aktion baten. In der letzten Woche vor den Weihnachtsferien machten sich die Lateinschüler mit vollem Eifer und mit Schleifpapier, Wäscheklammern und Leim ans Werk.

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Zu Beginn der Unterrichtsstunde wurden die Bausätze ausgeteilt, welche zwei Platten für den Untergrund und die zugeschnittenen Teile für die Ränder der zwei rechteckigen Böden sowie einen Griffel aus Holz enthielten. Kurz darauf erklärte der jeweilige Lehrer den Lateinschülern die Vorgehensweise beim Zusammenbau ihrer Tafel.Latein 2

Zuerst wurden alle Teile geschliffen und mit Holzleim an der richtigen Stelle aufgeklebt. Damit die Teile nicht verrutschen, wurden diese mit Wäscheklammern befestigt. Während der Leim trocknete, wurde vom Lateinlehrer Wachsgranulat geschmolzen und mit rotem Farbpigment eingefärbt. Das geschmolzene Wachs wurde dann auf die Platten gegossen. Nachdem das Wachs ausgehärtet war, wurden die beiden Platten an der inneren Seite mit einem Stück Kordel verbunden und fertig war die Wachstafel.

Die Aktion war ein Erfolg und kam bei allen Schülern sehr gut an. Leider verging die für die Bastelaktion vorgesehene Doppelstunde wie im Flug.

Pelin Isik. 6c

Audioguide zu den Exponaten des Obernburger Römermuseums

Im Rahmen des P-Seminars "Spurensuche - Was von den Römern am Untermain übrig blieb" beschäftigen wir uns mit alten Steindenkmälern, die allesamt um und in Obernburg gefunden wurden und dort im Römermuseum ausgestellt werden.

Dazu haben wir in Gruppenarbeit verschiedene Dialogtexte erarbeitet, die Hintergrundgeschichten zu den Abbildungen auf den Steinen erzählen, und diese eingesprochen sowie aufbereitet. Nach der Winterpause sollen sie als Audioguide zu den jeweiligen Exponaten im Obernburger Römermuseum abrufbar sein und die steinernen Zeitzeugen dadurch wieder zum Leben erwecken. Einen kleinen Vorgeschmack auf den Audioguide wollen wir Ihnen im Folgenden am Beispiel des Commodussteins präsentieren.

 

 

2021 12 09 Römermuseum

Das Schätzchen, um das es im Folgenden geht, fest in der Hand von Eric Erfurth, dem Leiter des Obernburger Römermuseums.

Hier hat sich eine Gruppe mit der sogenannten "damnatio memoriae" (für alle Nicht-Lateiner: Auslöschung/Verdammung der Erinnerung) beschäftigt, die am umstrittenen römischen Kaiser Commodus, der weit über den Lateinunterricht hinaus bekannt ist, vollzogen wurde.

Im antiken Rom wurden durch diesen Prozess jegliche Erinnerungen an bestimmte Personen ausgelöscht. Jener Kaiser Commodus wurde aufgrund seiner größenwahnsinnigen und egozentrischen Ideen im Jahr 192 n. Chr. infolge einer Verschwörung durch mehrere Senatoren bei einem Attentat getötet.

Der Dialogtext handelt von zwei Soldaten, die die "damnatio memoriae" mittels Ausmeißeln der Inschrift bzw. des Namens Commodus an einem Gedenkstein vollziehen sollen. Diese Tätigkeit erfreut die beiden jedoch nicht so sehr...

Aber genug geredet!

Hier nun ein erster Vorgeschmack auf den Audiogide:



PS: Wenn man im Video genau hinsieht, kann man die ausgemeißelten Stellen auf dem Stein erkennen.

 

 

Die bunte Antike

von Carla Hein, Q12

Weiße Tempel, weiße Statuen, weiße Togen - das Bild der weißen Antike hält sich konstant in unserer Vorstellung. Doch wie farbenreich diese Zeit eigentlich war, zeigt die Ausstellung “Bunte Götter” im Liebighaus in Frankfurt.

Da stellt sich zunächst die Frage, wie es überhaupt zu der irrtümlichen Verbreitung der Vorstellung der “weißen Antike” kam? Auf die Suche nach einer Antwort begab sich der Oberstufenkurs Latein am 23.09.21 auf die Reise ins Liebighaus. Auf dem Programm stand als erstes die Führung “Grundkurs Archäologie” durch die Ausstellung “Bunte Götter”. Hier wurden die Schüler mit Klemmbrettern und Zeichenmaterialien ausgestattet und durften so selbst in die Rolle eines Archäologen schlüpfen. Das bedeutete, nicht nur durch die Ausstellung laufen und die Statuen bewundern, sondern vor allem beobachten, zeichnen, austauschen und kombinieren.

Die Winckelmann-Artemis

 

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Die erste Station bei dieser Führung stellte die sogenannte Winckelmann Artemis dar. Hier wurden die Schüler vor die Aufgabe gestellt, die Statuette genau ins Auge zu fassen und die jeweiligen Beobachtungen skizzenhaft festzuhalten.

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Nachdem jeder einige Auffälligkeiten gefunden hatte, wurden die Ergebnisse ausgetauscht. Dabei wurde beispielsweise auf die Stützen an den Armen hingewiesen oder auf die stehende Position, anhand welcher die Statuette frühestens 600 v. Chr. eingeordnet werden kann. Besonders ins Auge stach allerdings das sonst so selten gesehene Lächeln der Figur, welches auch in Johann Joachim Winckelmanns Studien über die nach ihm benannte Statuette einen besonderen Platz einnahm. Denn zusammen mit dem Erkennen von Farbspuren am Haaransatz, an den Säumen und den Augenlidern führte es dazu, dass er die Figur nicht als griechisch oder römisch, sondern als etruskisch einordnen konnte. Seiner damaligen Meinung nach war die griechische und römische Antike rein weiß, was er dementsprechend in seinen Schriften publizierte. Allerdings hielt er kurz vor seinem Tod fest, dass dieses Lächeln ein Motiv aus der  römischen und griechischen Literatur- und Kunstgeschichte darstellte und gab seinen Irrtum bezüglich der weißen Antike zu. Diese Erkenntnis gelangte  jedoch aufgrund seines Ablebens nicht mehr an die Öffentlichkeit, im Gegensatz zu den bereits publizierten Schriften mit seiner vorherigen, gegenteiligen Überzeugung, so dass sich die Vorstellung der weißen Antike mehr und mehr verankerte, bis schließlich im 19. Jahrhundert als Folge von Winckelmanns Publikationen der Streit nach der Farbenvielfalt der Antike entbrannte.

Die Herstellung der Farben

Nachdem die Schüler nun ihre Vorstellung von weißen Tempeln und Statuen mit Farben ausschmücken können, stellt sich sogleich die nächste Frage: Wie wurde die Farbenpracht hergestellt? Hier orientierten sich die alten Römer an der Hochkultur Ägypten. So reisten beispielsweise römische Bildhauer nach Ägypten, um die Farbenherstellung zu erlernen. Die Farben selbst konnten aus Mineralien, wie Malachit, aus Erden oder wie beispielsweise die Farbe Purpur aus organischen Stoffen hergestellt werden. Nach der Zerkleinerung der farbgebenden Substanz wird diese mit Wasser und Bindemittel verrührt.

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Diese Stoffe lassen sich noch in heutiger Zeit mittels naturwissenschaftlicher Methoden, wie der UV/VIS- Lichtspektroskopie nachweisen. Denn einige Farbtöne absorbieren das Licht, andere werfen es zurück, so dass ein entsprechender “Fingerabdruck” der Farbe entsteht.

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Allerdings zeigt das Beispiel der Muse Thalia, dass die Rekonstruktion der Färbung trotz modernster Technik nicht so leicht ist, wie sie nach den letzten Sätzen erscheinen mag. Denn häufig werden verschiedene Pigmente so dicht nebeneinander nachgewiesen, dass nicht mehr festgestellt werden kann, welche Stofflage, wie eingefärbt war, oder, wie ein mögliches Muster verlief. Ab diesem Punkt bewegt sich der Wissenschaftler also im Bereich der Spekulation, so dass zum Beispiel mehrere Farbvarianten der Muse Thalia existieren.

Der Treu-Kopf

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Der Treu-Kopf wurde benannt nach Georg Treu, der ihn nur mit dem bloßen Auge so detailliert untersuchte und seine Ergebnisse festhielt, dass heute mit diesen Aufzeichnungen sowie mit naturwissenschaftlichen Methoden rekonstruiert werden konnte, auf welche Weise in der Antike die Statuen bemalt wurden: Zuerst wurde der Marmor glatt poliert und anschließend wurden erste Konturenzeichnungen aufgetragen, bis im nächsten Schritt nach und nach die Hauttöne aufgemalt wurden.

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Dabei fällt auf, dass ein besonders lebendiger Hautton vorliegt, der durch das Mischen von Weiß, Gelb, Rot und ein wenig Blau erreicht wurde, da das Blau das Schimmern der Adern unter der Haut nachstellt.

Der Tempelgiebel

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Bei der letzten Station, einem Tempelgiebel, kamen nochmals die Zeichenunterlagen der Schüler zum Einsatz: Es hieß, erst genau zu beobachten und anschließend Auffälligkeiten zu skizzieren.

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Dabei wurde die weibliche Figur in der Mitte als Göttin Athena identifiziert, denn mit Helm, Schild und Lanze trägt sie deren typische Attribute. Zunächst gaben allerdings die Schlangenköpfe am Saum der Göttin einige Verwirrung auf, bis erklärt wurde, dass normalerweise das Haupt der Medusa auf ihrem Schild abgebildet wurde. Ein weit größeres Rätsel brachte jedoch der linke Bogenschütze mit sich:

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Denn im Gegensatz zum rechten ist dieser mit Hosen und rautenförmigen Mustern zu sehen, was für Römer oder Griechen eher ungewöhnlich war, so dass die Figur als Perser charakterisiert werden konnte. Doch die Griechen und Perser lagen in dieser Zeit im Krieg, so wurde der Tempel 470 v. Chr. durch die Perser zerstört und erst später wieder auf der Insel Ägina aufgebaut. Umso verwunderlicher scheint es, dass der griechische und persische Bogenschütze nicht auf den jeweils anderen, sondern in entgegengesetzte Richtungen zielen. Nach einigem Raten wurde schließlich aufgelöst: Aus einer anderen schriftlichen Quelle geht hervor, dass der Perser aus Liebe zu einer Griechin auf deren Seite gekämpft hat.

Genauso wie der Perser die Seiten gewechselt hat, hat sich auch die Vorstellung der Schüler von der weißen Antike hin zu deren Farbenpracht im Verlauf dieser Exkursion geändert: “There’s a crack in everything, that’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)

Vielen Dank an Frau Scherpf und Herrn Ruft, dass sie den Schülern diese erhellende Erfahrung ermöglicht haben!

 

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