Sie sind hier:

Das Notebook der Antike

von Christian Ruft


Lateinschüler der 6. Klassen basteln Wachstäfelchen
In Stein gemeißelt wurden bei den alten Römern Texte, die für die Ewigkeit bestehen sollten. Sie zeugen von politischen und historischen Ereignissen, der Verehrung der Götter oder den Leistungen bedeutender Persönlichkeiten. Ein ganzer Wissenschaftszweig, die Epigraphik, beschäftigt sich mit der Entzifferung und Deutung dieser steinernen Dokumente. Ob in Rom oder an anderen Orten des Imperiums und nicht zuletzt vor unserer Haustür in Obernburg: Die Römer hinterließen der Nachwelt viele Botschaften.

Notebook der Antike 4
Auf eine Grundplatte werden seitlich Holzleisten geklebt, damit das Wachs nicht ausläuft.
Für alle anderen, eher alltäglichen Notizen verwendeten die Römer Wachstafeln. Dabei handelt es sich um meist rechteckige Holztafeln, die mit Wachs überzogen waren, in das man mit Hilfe eines Griffels Texte einritzen konnte. Mit der flachen Rückseite des Griffels konnte man das Wachs bei Bedarf auch wieder glätten und so die Tafel von Neuem beschreiben. Unser Wort „radieren“ leitet sich von eben diesem Vorgang ab (lat. radere = auskratzen). Auch in der Schule verwendeten die römischen Schüler Wachstafeln für ihre Schreibübungen und mussten ihre Tafeln mit Sicherheit sehr oft wieder glätten.

Notebook der Antike 2

Mit Wäscheklammern werden die Leisten fixiert, bis der Holzleim trocken ist.
Trotz der fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft üben diese äußerst simplen Schreibgeräte immer noch ihren Reiz aus. Und so wollten die Lateinschüler der 6. Klassen von Frau Ehser und Herrn Ruft unbedingt selbst eine solche Wachstafel basteln.
Kurz vor den Weihnachtsferien war es dann so weit: Mit Wäscheklammern, Schleifpapier und einem Spitzer ausgerüstet ging es ans Werk. Das Bastelholz musste angeschliffen und dann mit Holzleim verklebt werden, die Wäscheklammern sollten ein Verrutschen der Holzleisten verhindern. In die fertige Tafel wurde behutsam Wachs eingefüllt, das zuvor in einem großen Topf verflüssigt und mit Farbpigment eingefärbt worden war. Nach kurzer Abkühlzeit konnten die Schüler die fertigen Tafeln nutzen und mit ihrem mit Hilfe des Spitzers angefertigten Griffel erste Schreibübungen absolvieren. Leider war die Doppelstunde im Nu vorüber, aber viele Schüler notierten sich an diesem Tag ihre Hausaufgaben nicht ins entsprechende Heft, sondern demonstrativ in ihre neue Wachstafel. Und nicht nur die Wachstafel sorgte für einen nachhaltigen Effekt. Auch auf den Gängen vor den Klassenzimmern konnte man noch den ganzen Vormittag über den Duft des geschmolzenen Wachses riechen.

Notebook der Antike 1

 

Die Küche der Römer erleben

von Christian Ruft

20191219 091322.geaendert

60 Lateinschüler*innen der 6. Klassen (SJ 19/20) verwandelten am Donnerstag zwei Klassenzimmer in eine große Küche. Nachdem die Schüler*innen im Unterricht schon einiges über römisches Essen erfahren und entsprechende Vokabeln gelernt hatten, durften sie nun unter Anleitung von Frau Hohm, Frau Ehser und Herrn Ruft selbst aktiv werden. An verschiedenen Stationen konnten sie sich als Köche und Köchinnen betätigen und nach Originalrezepten römische Speisen zubereiten. Trotz der improvisierten Küche stand am Ende doch eine beachtliche Auswahl an Speisen auf dem Tisch. Zu den selbst hergestellten Römerbrötchen (libum) gab es zwei Aufstriche zur Auswahl: moretum, bestehend aus Frischkäse, Schafskäse, diversen Gewürzen und reichlich Knoblauch sowie eine Pasta de olivis, ein Aufstrich aus gehackten, in Öl eingelegten Oliven. Dazu wurden Käse, Obst und Nüsse gereicht. Als Nachspeise gab es schließlich in Olivenöl ausgebackene Quarkbällchen mit Honig. Während die einen eifrig mit der Herstellung der Aufstriche und des Teigs für die Brötchen beschäftigt waren, bauten die anderen ein Triclinium auf, um die Speisen schließlich wie die alten Römer verzehren zu können.

20191219 091259.geaendert

Wieder andere setzten sich an Infoständen mit dem Ablauf eines Festmahls, den Tischsitten und Nahrungsmitteln der Römer auseinander und erstellten Plakate. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen und die Brötchen in der Mensa aufgebacken waren, konnte die Cena beginnen. Die Schüler*innen ließen sich die selbst zubereiteten Speisen schmecken und bekamen einen realistischen Eindruck von der Kochkunst der alten Römer. Im Triclinium wurden die in römische Gewänder gehüllten Schüler*innen standesgemäß von einer „Sklavin“ bedient. Im Nu waren die zwei Schulstunden vorüber und die Schüler*innen um einige Eindrücke reicher.

20191219 095933 neu.geaendert