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Exkursion ins Bezirkskrankenhaus Lohr

An einem regnerischen Mittag fuhr das P- Seminar Suchtprävention des Hermann-Staudinger-Gymnasiums unter der Leitung von Frau Leimeister und Herrn Iberle in das Bezirkskrankenhaus in Lohr am Main.

Dort angekommen wurden sie von Stefan Koschmieder, dem Psychologen der die Station Suchtprävention im Haus 21 leitet, empfangen. In einem Konferenzraum erklärte der Psychologe, dass es hier in der Suchtklinik ein zweistufiges System gibt. Die erste Stufe ist die akute Stufe, in welcher der Körper des Patienten entgiftet wird. Die zweite Stufe stellt die Entwöhnung dar. Er erklärte den Schülern, dass eine Suchtkrankheit unheilbar ist und man nie wieder von ihr loskommt. Somit sensibilisierte er die Schüler und warnte zudem, dass alle Genussmittel mit Vorsicht zu genießen sind. Es gibt nur trockene Alkoholiker und cleane Drogenabhängige, aber niemand kann vollständig von seiner Sucht geheilt werden. Er hob das Suchtpotential von legalen Suchtmitteln wie Alkohol oder Nikotin hervor. Besonders erschreckt waren die Schüler über das Abhängigkeitspotential von Nikotin, welches schon nach nur 14 Tagen abhängig macht. Er beschrieb ausführlich, welche positiven Gefühle sich nach dem Konsum bemerkbar machen. Eine Wiederholung dieser Zustände ist oft nur durch eine höhere Dosis machbar, wodurch viele Abhängige in einen Teufelskreis geraten. Daraufhin erläuterte er den interessierten Schülern die Auswirkungen verschiedener Suchtmittel auf das menschliche Gehirn. Entgegen der landläufigen Meinung tötet zum Beispiel Alkohol keine Gehirnzellen ab, sondern beeinflusst die Verbindungen zwischen den Hirnzellen und somit die Struktur des Gehirns.

Nach dieser Einführung kamen zwei Patienten der Suchtklinik, die über ihre Alkoholabhängigkeit informierten.

Der Erste berichtete über ein schweres Leben, welches von zahlreichen, traumatischen Erlebnissen geprägt war. Als Kind wuchs er in einem Heim auf, später verlor er zahlreiche Menschen, die ihm nahestanden. Dies stürzte ihn in den Alkohol und führte dazu, dass er permanent Schnaps trank, um seinen Alkoholspiegel aufrecht zu erhalten. Kurz vor der völligen Verwahrlosung stehend, ließ er sich in die Klinik einliefern und schlug er den beschwerlichen in die Trockenheit ein. Abschließend riet er den Schülern, über Probleme zu reden und sich stets über die Konsequenzen der eigenen Handlungen im Klaren zu sein.

Der zweite Patient berichtete über exzessives Trinken, zum Beispiel bei Weihnachtsveranstaltungen, was ihn schlussendlich in die Abhängigkeit führte. Nach erfolgreicher Entgiftung fing er aber nach einigen Jahren an wieder zu trinken und verlor völlig die Kontrolle über sein Leben, welches von nun an vom Alkohol bestimmt war..

Nach diesen beeindruckenden Schilderungen meldete sich ein weiterer Gast zu Wort, der bereits früher Patient in der Suchtklinik war und aufgrund von Rauschgiftdelikten schon zehn Jahre im Gefängnis saß. Er berichtete über seine Drogenabhängigkeit und den Teufelskreis, in den er geraten war. Jedoch gelang es ihm mit großer Mühe, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Dieses Beispiel hielt uns vor Augen, dass es sich auch in einer noch so aussichtslosen Situation stets lohnt, an einen Ausweg zu glauben und diesen auch aufzusuchen.

Als letzte Rednerin war Sally Müller an der Reihe, die letztes Jahr am HSG ihr Abitur ablegte, welche sich in einem freiwilligen soziales Jahr in Lohr auf das Psychologiestudium vorbereitet. Sie beschrieb die Herausforderungen der täglichen Arbeit mit den Patienten, betonte jedoch immer wieder, dass ihr die Patienten sehr viel zurückgeben.

Exkursion Suchtprävention