Sie sind hier:

Laufen gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt

Das HSG erläuft 11300 Euro für einen guten Zweck

Statistiken Spendenlauf 2021

Schon Gandhi hatte das Laufen für einen guten Zweck eingesetzt. So wollten auch die HSG-Schülerinnen und Schüler mit ihrem Spendenlauf ein Zeichen setzen und zugleich Geld sammeln. Im Vorfeld suchten sich die Laufbegeisterten einen oder mehrere Sponsoren, die einen selbst festgelegten Geldbetrag pro gelaufener Runde spenden wollten. Es wurden 183 Sponsorenzettel abgegeben und ebenso viele Schülernamen mit ihren zugehörigen Spendenbeträgen pro Runde in das von Louis Markert eigens geschriebene Programm eingepflegt.
Am Tag des Spendenlaufes gab es drei Zeitfenster von jeweils 30 Minuten, in denen die Schülerinnen und Schüler so viele Runden wie möglich laufen konnten. Die SMV hatte die 500 Meter lange Strecke rund um das HSG mit Absperrband markiert und gesichert, Streckenposten wurden platziert und Wasserbecher zur Erfrischung bereit gestellt. Alle Läufer und Läuferinnen erhielten Nummern, so dass jede gelaufene Runde direkt ins System eingegeben und der jeweils aktuelle Spendenbetrag live in der Aula des HSG mitverfolgt werden konnte.
Am Ende der insgesamt 120 Minuten hatten die Schüler und Schülerinnen insgesamt 1690 mal das HSG umrundet und somit 845 km erlaufen.
Schon nach den ersten 30 Minuten, in denen nur die 5. Klassen gelaufen waren, zeigte der Bildschirm über 3700 Euro, die 6. Klassen liefen fast den gleichen Betrag im nächsten Zeitfenster dazu. In den letzten 30 Minuten waren die Klassen 7 bis 11 am Start, wobei die gesamte Strecke mit jubelnden Schülern und Schülerinnen gesäumt war – selbstverständlich mit Corona-konformen Abständen. Am Ende herrschte zunächst sprachlose Stille, bevor der Jubel losbrach: 11300 Euro war der Endstand. ″Ich hätte nie gedacht, dass der Spendenlauf so ein Erfolg werden würde!″, so 1. Schülersprecher Theo Reichold.
Mit dem Geld will die SMV die ″Bildungsinitiative Ferhat Unvar″ unterstützen. Diese Initiative ist am 14. November 2020 von Serpil Temiz Unvar, der Mutter eines der Anschlagsopfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau, ins Leben gerufen worden. Ziel ist es, allen Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und deren Eltern, die rassistische Erfahrungen im Alltag oder in der Schule machen, eine Anlaufstelle zu bieten. Mit ihrer Arbeit möchte Frau Unvar das Gedenken an ihren Sohn Ferhat aufrechterhalten und sich aktiv gegen Alltags- und institutionellen Rassismus einsetzen. Hierfür bietet die Initiative Workshops in Schulen an. Frau Unvar und zwei Freunde von Ferhat hatten eine Woche zuvor im Rahmen eines Podiumsgesprächs von ihrer Arbeit berichtet.
″Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage″ - so möchte sich das HSG betiteln und so ist es auch nur zu verständlich, dass die Schülerinnen und Schüler diese Initiative unterstützen wollen.
Spendenlauf 4Mit einer besonderen Motivation nahm zudem Studienrätin Sandra Menzel am Spendenlauf teil. Sie wollte mit ihrer Beteiligung und den von ihr erlaufenen Kilometern den 24h-Hoffnungslauf des Landkreises Miltenberg unterstützen. So drehte sie den ganzen Vormittag lang unermüdlich ihre Runden und spontan fanden sich innerhalb des Kollegiums viele Sponsoren und Sponsorinnen, so dass Frau Menzel nicht nur 23 Kilometer, sondern auch 505 Euro erlief, die nun der Aktion MainHerz sowie dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Miltenberg zugute kommen.

von Karin Lange

 

 

„Was können wir gegen Rassismus tun?“

Diese Frage stand im Zentrum der Podiumsdiskussion mit Frau Unvar, der Mutter der bei den rassistischen Anschlägen in Hanau getöteten Ferhat Unvar, und zweier Kindheitsfreunde von Ferhat. Das Podiumsgespräch fand in der Aula des HSG statt: Die Klassen- und Schülersprecher*innen konnten direkt daran teilnehmen, während die Diskussion live in die Klassenzimmer übertragen wurde.

Gedanken von Betül Erensoy, Schülerin:
Wir alle haben vom Podiumsgespräch viel mitgenommen und gelernt. Frau Unvar und zwei Kindheitsfreunde von Ferhat Unvar sprechen mit uns offen über Rassismus und benennen die Probleme.

Ferhat Unvar
Frau Unvar beschreibt ihren Sohn als hilfsbereiten, philosophischen und tiefgründigen Mann, der gerne alles hinterfragte und sich sehr für Mathematik interessierte. In seiner Schulzeit habe er viele schlechte und rassistische Erfahrungen gemacht. Diese führten zu Problemen, die ihn selbst und das Familienleben prägten.
Er war einer der neun Hanauer Bürger mit Migrationshintergrund, die am 19. Februar 2020 in Hanau von einem Rassisten ermordet wurden.

Bildungsinitiative UnvarWas ist die Bildungsinitiative Ferhat Unvar?
Am 14.11.2020 wurde die Bildungsinitiative von Frau Unvar, als Andenken an ihren Sohn Ferhat Unvar gegründet, der bei einem rassistischen Anschlag in Hanau ermordet wurde. Sie setzt sich aktiv gegen Rassismus ein und möchte mit ihrer Initiative Schülern, Eltern und anderen Menschen eine Anlaufstelle geben, die im Alltag rassistische Erfahrungen gemacht haben. Außerdem bietet sie für Schulen Sensibilisierungsworkshops an, um Jugendliche frühzeitig dieses wichtige Thema näher zu bringen.

https://www.bildungsinitiative-ferhatunvar.de/             https://www.instagram.com/bi_ferhatunvar/
https://www.facebook.com/biferhatunvar                     https://twitter.com/bi_ferhatunvar?lang=de

 Zur Diskussion:
Frau Unvar wollte uns vor allem eines klarmachen: Niemand hat das Recht zu behaupten, dass jemand auf Grund seiner Herkunft, Religion, Hautfarbe oder anderen Merkmalen weniger wert ist. Finja Lange, Mitglied der SMV und Moderatorin der Diskussion, konnte uns mit nur einer Packung Buntstifte Buntstifeauf unsere eigentlich komplett falsche Denkweise aufmerksam machen. Was versteht ihr unter Hautfarbe? Oder wenn euch euer Mitschüler nach einem hautfarbenen Stift fragt, welchen Stift reicht ihr ihm rüber? Es gibt nicht einen einzigen idealen Hautton und selbst wenn, wer entscheidet das?
Ihr merkt also: Unser Grundgedanke muss sich ändern. Wir können Menschen nicht nach irgendwelchen Kriterien beurteilen, die an sich nichts über ihren eigenen individuellen Charakter aussagen oder sie anders behandeln, weil wir Vorurteile gegenüber jemandem haben, die komplett unbegründet sind.
Rassismus kann und sollte man zurückdrängen, denn die Basis von Rassismus ist meistens Hass.