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Januar 2018

Wahlrecht mit 16 - Am HSG schaffen wir das!

von Dirk Simon

Im Raum 213 wird es laut, Ausschusssitzung zur Vorbereitung auf die entscheidende Plenumssitzung: "Wahlrecht mit 16 Jahren". Die Grüne diskutiert mit Verve, die SPD zieht mit, was will die CSU, wie verhalten sich die Freien Wähler? Die Fraktionsvorsitzenden trommeln für ihre Vorschläge und bemühen sich um eine Komrpomisslösung. "So läuft es wohl auch im Landtag ab", seufzt ein Schüler nach der vierten Sitzung.

Die 54 Schüler und Schülerinnen der Klassen 9c und 9d, die seit diesem Jahr das Fach Sozialkunde zweistündig haben, sind mitten in der parlamentarischen Arbeit. Der pädagogische Dienst des Bayerischen Landtages, die Forschungsgruppe „Jugend und Europa“, gastierte - organisiert von den Sozialkundelehrern Simon Adamski und Dirk Simon - am Hermann-Staudinger-Gymnasium in Erlenbach am Main, um das Planspiel "Wir sind der Landtag" zu erleben. Jeder Schüler erhält eine Mappe mit ihrem Abgeordneten, den sie für 4 Stunden verkörpern, "und es gibt alles", wie Viola Frick, Referentin, ausführt, "vom oberfränkischen Brauer bis zur niederbayerischen Hausfrau." Die Parteien des Landtags verteilen sich mit ihren Abgeordneten auf die zugewiesenen Fraktionsräume und diskutieren die vorher von den Schülern beschlossene Frage "Wahlrecht mit 16"? Zuerst in der Fraktion, dann mit einer ersten Lesung im Plenarsaal des Landtags, dann wieder in die Fraktionen und Ausschüsse, "pure parlamentarische Arbeit."

Ein Vormittag wird dieses Gesetz beraten, mit überwältigender Mehrheit angenommen, ab halb zwölf stoßen die Profis dazu: Berthold Rüth (CSU), Martina Fehlner (SPD) und Hans Jürgen Fahn (FW) sind der Einladung gefolgt, den Schülern Rede und Antwort zu stehen. Und die Schüler und Schülerinnen löchern die Abgeordneten mit Fragen, ob ein Wahlrecht mit 16 möglich sei, wie die politische Arbeit aussieht, wie man zur Politik kam, was man zur anstehenden Landtagswahl schätzt und ob man mit kommenden allen Abgeordneten ein Bier trinken gehen könnte. Zu all diesen Fragen gaben die Abgeordneten differenziert Antwort und freuten sich über das rege Schülerinteresse.

 

 Planspiel_Abgeordnete1                    Planspiel Landtag Erlenbach 2.geaendert                           Planspiel Landtag Erlenbach 3.geaendert                           
  Planspiel Landtag Erlenbach 6.geaendert Planspiel Landtag Erlenbach 4.geaendert  Planspiel Landtag Erlenbach 2.geaendert 

 

 

 

Mai 2015

Politikplanspiel am HSG: Aus dem Klassenzimmer die Geschicke des Landtages lenken

von Dirk Simon

Erlenbach. Am Hermann-Staudinger-Gymnasium in Erlenbach am Main organisierten der pädagogische Dienst des Bayerischen Landtages, die Forschungsgruppe „Jugend und Europa“ und die Fachschaft Sozialkunde für die Klassen 9c und 9d, die ab diesem Jahr den sozialwissenschaftlichen Zweig gewählt haben, das Planspiel „Wir sind der Landtag“.

„Hiermit ist die konstituierende Sitzung des bayerischen Landtags eröffnet“ - mit diesen Worten leitet die Landtagspräsidentin Ulrike Schäfer (im wirklichen Leben Annika Reis aus der Klasse 9c) die Plenarsitzung ein. Was ist geschehen? Der Plenarsaal des bayerischen Landtages im Maximilaneum wird kurzerhand aus der Landeshauptstadt über den Weißwurst-Äquator an den Untermain ins beschauliche Erlenbach

Die Profis und ihre Nachfolger Das Planspiel Landtag am HSG

am Main – genauer gesagt – in Raum 214 verlegt. Wo sonst Schulaufgaben geschrieben werden, agieren nun die aufstrebenden Landespolitiker der Klassen 9c und 9d. Jeder Schüler erhält eine Mappe mit einer ausführlichen Biographie, einen Aufkleber, auf dessen Fläche der Name des ausgedachten Abgeordnetennamens steht. So mancher der Neu-Abgeordneten steckt ein wenig Lokalkolorit in seinen Namen, so führt beispielsweise die CSU einen gewissen Johannes Schlappeseppl in ihrer Abgeordnetenliste auf, passend zum Beruf „Bierbrauer“.

Nach der konstituierenden Sitzung, die zu Beginn von dem ältesten Parlamentarier (Benjamin Hoffmann) geleitet wurde und mit der Wahl des Landtagspräsidenten (Annika Reis) endet, beginnt die Arbeit.

Auf der Tagesordnung steht ein Gesetzesentwurf der CSU zum Verbraucherschutz. Soll ein Ampelsystem im Gaststättengewerbe eingeführt werden? Wie hoch bemisst sich das Strafmaß für Firmen, die Lebensmittel falsch deklarieren? Die Fraktionen sind nun aufgefordert, Anträge zu schreiben, an Positionen zu feilen, in den Fraktionssitzungen gemeinsam zu überlegen, welche Strategie die beste wäre, in den Ausschusssitzungen wird gestritten und gerungen, um dann im Plenum noch einmal die Position darzulegen und weiter auf Stimmen zu hoffen. „Man merkt schnell, dass eine große Fraktion zu einer gewissen Trägheit führt, während kleine Fraktionen fit und dynamischer sind und sich um mehrere Dinge gleichzeitig kümmern müssen, eine spannende Beobachtung“, fasste David Hohm, Sozialkundelehrer am HSG, seinen Rundgang durch die vier Fraktionssitzungen zusammen, die jeweils in einem anderen Raum tagen. Man kann ein wenig Mitleid mit Lina Brauer, Schülerin der Klasse 9c, haben, die als CSU-Fraktionsvorsitzende sich abmüht, ihre Abgeordneten zu neuen Ideen zu bewegen und eine Diskussion in Gang zu bringen. Ähnlich äußern sich die Fraktionsvorsitzenden der anderen Parteien: Sarah Seitz (Grüne), Marvin Kempf (FW) und David Ruppert (SPD).

„Schülerorientierter und lebensnaher kann Sozialkundeunterricht nicht sein“, pflichtet Friederike Schindhelm, Sozialkundelehrerin am HSG, bei. Nach der Besprechung in Fraktionssitzungen versuchen die Abgeordneten vor der Plenarsitzung, Mehrheiten für ihren Gesetzesentwurf zu organisieren, ein ständiger fliegender Wechsel findet zwischen den Fraktionsräumen statt. In leidenschaftlichen Reden arbeiten sich beim Schlussplenum die Fraktionsvorsitzenden aneinander und an ihren Gesetzesentwürfen ab. Die Grünen erinnern an die von den Kindern geliehene Welt, die Freien Wähler wollen mit Augenmaß handeln, die SPD unbedingt die Ampel einführen und die CSU bemüht sich um einen datenschutzrechtlichen Umgang mit den Kontrollen.

Schließlich kann im Sinne der Demokratie ein Kompromiss gefunden werden, keine Maximalforderung kommt durch, ein goldener Mittelweg markiert die Lösung bei den Entscheidungen, „sehr nahe an der Realität war die Verabschiedung der Gesetze“, wie Simon Kirnberger, einer der drei Organisatoren des Planspiels, den Vergleich zieht.

Beim Schlussplenum sind die echten Profis mit von der Partie, die zu diesem Planspiel eingeladen waren: Vier Mitglieder des Landtags schauen den Schülern bei ihrer Arbeit über die Schulter. Die MdL Berthold Rüth (CSU), Martina Fehlner (SPD), Hans Jürgen Fahn (FW) und Thomas MÜtze (B'90/Die Grünen) stehen den Schülern mit Rat und Tat zur Seite und geben gegen Ende der Veranstaltung den Schülern einen Einblick in ihre Arbeit.

Um eine Erfahrung reicher, wechseln die Nachwuchs-Politiker wieder in die bekannte Rolle des Schülers, aus dem „Sie" wurde wieder „Du" und der Landtag zieht wieder an die Isar. Die Abgeordneten beantworten ausgiebig Fragen von TTIP, über die Flüchtlingsproblematik auf dem Mittelmeer bis hin zur Versetzungspflicht bei Schulfächern, eine breite Palette an Themen, die die Schüler interessieren.