Sie sind hier:

Stockbesoffen eine Leiche verunstaltet?

von Hami Colak

Freinacht, Walpurgisnacht: In der Nacht zum 1. Mai stellen die Jungs den Mädels nicht nur Maibäume, es passieren - siehe Goethe, Faust I - auch merkwürdigste Dinge der schwarzen Magie. In Thomas Langs Roman "Freinacht" läuft eine Party aus dem Ruder.

Inhalt

Von einer absurden Tat handelt Thomas Langs Jugendroman “Freinacht”, den der “Berlin Verlag” im Jahre 2019 veröffentlicht hat. Das Ganze beginnt mit Elles Geburtstagsparty am 1. Mai, bei der das Mädchen 16 Jahre alt wird. Das verlängerte Wochenende und das Wegfliegen der Mutter mit ihrem Freund kommt da recht gelegen, so dass Elle und ihre Freunde richtig „die Sau rauslassen“ können. Damit die Party auch reibungslos verläuft, entschließen sich Elle, ihr Freund Junnis, der kriminelle Dennis und der 13-jährige Valentin die Party auf einem abgelegenen und verlassenen Gelände einer Munitionsfabrik zu feiern. Da am gleichen Tag Elles ehemalige beste Freundin auch feiert, kommt fast keiner zu Elles Geburtstagsparty.

Somit bleiben die vier und eine Menge Alkohol übrig. Nach einer eher öden Nacht entdeckt Dennis auf dem Weg nach Hause eine Leiche am Waldrand. Alle versammeln sich um die Leiche und Dennis schlägt mit einer Taschenlampe auf den "Prügelknaben". Unbefriedigt verschwindet Dennis in der Dunkelheit und übergibt die Taschenlampe an Vale, der gerade zum Schlag ausholt, während Dennis mit einem großem Metallrohr plötzlich wieder auftaucht. Nachdem Dennis wiederholt auf die Leiche eingeschlagen hat, fordert Junnis Dennis auf, den Arm der Leiche abzureißen. Im Gegenzug fordert Dennis Junnis auf, das Bein abzuhaken. Elle steht regungslos da und schaut einfach zu, während Vale die ganze Tat mit seinem Handy filmt. Nach einiger Zeit fordert Elle die Taschenlampe an und schlägt ebenfalls auf den Schädel ein, bis sich ein Teil des Knochens löst. Sie hört eine unbekannte Stimme, die wiederholt “Eure Welt ist schlecht” flüstert. Elle entdeckt einen Abschiedsbrief in der Jackentasche der Leiche, in dem steht, dass sein Name Frank sei und dass er sich das Leben nehmen werde, indem er sich betrunken in den Wald legt und auskühlt. Elle übergibt sich und die lange Nacht endet.

In den nächsten Tagen schottet sich Elle zunehmend von der Außenwelt ab und verriegelt sich in ihrem Zimmer. Mittlerweile ist das Kotzen normal geworden. Sie will mit keiner Menschenseele darüber reden, nicht mal mit ihrer Mutter. Sie bildet sich immer wieder Franks Stimme ein und hält Monologe über die verhängnisvolle Nacht. Auf mysteriöse Weise landen die Videos der Nacht auf Dennis´ Instagram-Account. Die Videos zu löschen ist für den bekifften Dennis keine Option und er verkauft die Videos sogar an Fremde weiter. Junnis beschließt die Sache in seine eigene Hand zu nehmen und kehrt zum Fabrikgelände zurück, um die Spuren der Nacht zu verwischen. Dort trifft er den betrunkenen Valentin an, der von der Sache sehr mitgenommen ist und erzählt ihm von seinem Plan, die ganze Sache vertuschen zu wollen. Valentin willigt ein.

Am nächsten Schultag taucht die Polizei in der Schule der Jugendlichen auf und sie befragen einige Schüler bezüglich des Gewaltvideos von Dennis, jedoch ohne Erfolg. Panisch beschließt Junnis ein Treffen mit Dennis, um ihm heimlich das Handy zu stehlen und die ganzen Videos zu löschen. Sie treffen sich in der zweiten Pause mit Elle, die in Junnis` Plan eingeweiht ist. Allerdings bemerkt Dennis das Vorgehen und verpasst Junnis beim Versuch, das Handy zu entwenden, eine blutige Unterlippe. Elle, die sich immer noch Gespräche mit Frank einbildet, steht wie in jener Nacht wieder regungslos da und schaut zu. Die Leiche wird entdeckt, sodass die Medien voll von dieser schrecklichen Nachricht sind. Der psychische Druck wird für Elle zu viel und sie sucht einen Vertrauenslehrer an ihrer Schule auf, um ihren gesammelten Druck rauszulassen. Dieser weiß nicht ganz, wie er mit der heiklen Situation umgehen soll und verständigt die Polizei.

Währenddessen klaut Dennis einen Roller und fährt mit diesem zu seinem Bruder Martin aufs Land, um auf seine eigene Weise den Druck abzulassen. Er berichtet von der Nacht und beteuert, dass er nichts mit dem Tod und der Leiche zu tun hat. Allerdings wird Dennis von seinem Bruder rausgeschmissen, nachdem dieser den geklauten Roller in seiner Garage entdeckt und Dennis damit konfrontiert. Die Polizei lädt Elle und ihre Mutter zur Befragung ans Bahngelände vor. Elle rennt allerdings während des Gesprächs weg, nachdem sie wieder Selbstgespräche mit Frank geführt hat. Elle klaut eine Flasche Schnaps und wartet bis es dunkel wird und kehrt anschließend zum Gelände zurück. Dort angekommen, legt sie sich in die Nähe eines Gleises auf den kalten Boden. Mittlerweile ist die Flasche leer und sie stellt sich vor, dass Frank ihr das Leben von einem herannahenden Zug rettet. Danach bildet sie sich ein wie ein paar Jugendliche an ihr rumzerren und sie gegen einen Baum lehnen, genau wie bei Frank…

Nach der Gerichtsverhandlung erhält Elle Sozialstunden, während Dennis zu einem Jahr in Jugendhaft verurteilt wird. Junnis und Valentin werden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Elle und Junnis treffen sich erneut am Schuppen. Der angetrunkene Valentin kommt nach und bringt einige Pillen mit. Elle und Junnis zögern zuerst und entschließen sich aber dann doch dazu, diese zu nehmen. Elle sieht in dem Schuppen ein Lagerfeuer, das sich zu einem Flächenbrand ausbreitet. Sie kippt um. Als sie wieder zu Bewusstsein kommt, sieht sie Junnis auf dem Boden liegend und ruft die Polizei an und berichtet, dass sie eine Leiche auf dem Bahngelände gefunden habe.

Die Einsatzkräfte finden noch zwei weitere Personen in einem benachbarten Schuppen und beenden die Suche. Junnis und Elle werden in eine Klinik gebracht und dort versorgt. Am nächsten Tag findet ein Spaziergänger in Begleitung seines Hundes eine weitere Person hinter dem zweiten Schuppen. Die Polizei hatte ihre Suche vor dem zweiten Schuppen bereits beendet. Bei dieser Leiche handelt es sich um Valentin.

Bewertung

Dieser Jugendroman, der auf wahren Begebenheiten beruht, ist eine sehr spannende, tragische, aber auch eine zum Nachdenken anregende Geschichte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, mich mit dem Inhalt vertraut zu machen, konnte ich mit zunehmendem Lesefortschritt das Buch wortwörtlich nicht mehr aus der Hand legen. Neben dem spannenden Inhalt bekommt man viele Einblicke in die Gedankengänge der stark ausgeprägten Charaktere, v.a. in Bezug auf Elle. Der Umgang mit ihren Schuldgefühlen und die Stigmatisierung Elles in einer traditionellen Kleinstadt führen zu ihrem inneren Konflikt, der die nachdenkliche Seite der Charaktere in diesem Buch unterstreicht und den Leser fragen lässt: “Wie hätte ich in der jeweiligen Situation gehandelt?”.

Das Buch lädt den Leser aufgrund der hohen Spannung ein, es erneut zu lesen. Zusammenfassend gebe ich dem Buch viereinhalb von fünf Hermanns.

Ein Spiel als Überlebensprinzip

von Konstantin Kirchschlager

Die Schachnovelle wurde von 1938 bis 1941 von Stefan Zweig verfasst. Sie handelt von einem Schachspiel auf einer Kreuzfahrt, bei der die gegeneinander antretenden Personen im Mittelpunkt stehen.

Einer dieser beiden ist der Schachweltmeister Mirko Czentovic. Er verliert bei einem Unfall seinen Vater und wächst in Pflege bei einem Pfarrer auf. Der Charakter des Jungen wird als einfältig, ohne Interesse an der Außenwelt beschrieben. Durch einen Zufall entdeckt man sein besonderes Talent für das Schachspiel. Schließlich gelangt er an einen Agenten, der ihn fördert und seine Karriere kommt in Gang. Was den Schachspieler kennzeichnet, ist die Tatsache, dass er keine imaginäre Kraft besitzt und sich das Schachspiel nicht im Geist vorstellen kann. Er ist ein handwerklicher Spieler, der ein Taschenschach immer bei sich trägt. Weil der Ich-Erzähler, der selbst Teil der Geschichte ist, Genaueres über ihn erfahren möchte, versucht er durch ein Schachspiel mit dem Geschäftsmann McConnor Czentovics Aufmerksamkeit zu erlangen und so mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das gelingt nicht, aber dadurch, dass McConnor von ihm erfährt ,welche Berühmtheit sich auf dem Schiff befindet, ist er erpicht darauf eine Partie gegen diesen Meister seines Fachs zu spielen und verabredet gegen Bezahlung eine Partie für den nächsten Tag. Bei dieser spielen die auf dem Schiff anwesenden Amateurspieler gemeinsam gegen den Schachweltmeister. Sie haben keine Chance gegen diesen zu gewinnen. Die erste Partie verlieren sie sehr schnell, der ehrgeizige McConnor will das aber nicht auf sich sitzen lassen und fordert eine Revanche. Czentovic nimmt diese an und liegt auch bei dieser in Führung bis zu dem Zeitpunkt, als ein weiterer Passagier des Schiffes zu ihnen stößt und den Herren Anweisungen gibt, wie sie die Partie zu Ende spielen sollen. Mit seiner Hilfe gelingt es ihnen ein Remis zu erreichen. Czentovic fordert nach Ende der Partie diesen Herr zu einer weiteren Partie auf. Dieser lehnt jedoch ab und verweist darauf, dass er seit über 20 Jahren kein Schach mehr gespielt habe. McConnor beharrt aber darauf, dass er diese Einladung annimmt, und schickt den Ich-Erzähler los, den Unbekannten aufzusuchen und ihn dazu zu bewegen die Partie anzutreten. In diesem Gespräch erfährt man mehr zum unbekannten Dr. B.

Er war Rechtsanwalt in Wien und vertrat in der königlich-kaiserlichen Monarchie die Vermögensverwaltung der Klöster und Mitglieder der kaiserlichen Familie. Als es zur Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten kam, wurde er verhaftet, um von ihm zu erfahren, wo sich das Vermögen dieser befindet. Dr. B. schweigt beharrlich, er kommt in Einzelhaft. Dort erfährt er keine körperliche Misshandlung wie andere KZ-Häftlinge, sondern eine subtile Folterung durch Isolierung. Er hat in seiner Zelle keine Möglichkeit der Beschäftigung, keine Ansprache. Er befindet sich im "Nichts", zeitlos, raumlos. Diese Form der Inhaftierung ist psychische Folter. In methodischen Verhören wird er immer wieder befragt mit der Absicht ihn mürbe zu machen. Eines Tages gelingt es ihm ein Buch zu stehlen. Mit großer Erwartung an das Buch folgt die Enttäuschung. Es handelt sich um ein Schachrepetitorium, ein Buch, das Schachzüge von Meisterpartien beschreibt. In seiner Hilflosigkeit und nach Zeiten der Enttäuschung beginnt er jedoch sich intensiv damit zu beschäftigen. Er nutzt die bescheidenen Möglichkeiten seiner Zelle, um ein Schachspiel nachzustellen. Eine karierte Bettdecke dient als Schachbrett, aus Brotkrümeln bildet der Figuren, mit Staub färbt er diese ein. Mit der Zeit spielt er Züge blind nach. Dadurch gewinnt er an Selbstvertrauen und Konzentration und kann somit die Verhöre überstehen. Nach einiger Zeit hat er alle Partien durchgespielt und beherrschte sie auswendig. Er beginnt gegen sich selbst zu spielen, verliert sich immer mehr im Spiel mit imaginären Gegner und wird nervenkrank. Es kommt zur Einlieferung in ein Hospital. Dort hat er Glück und trifft auf einen Arzt, der ihm eine erneute Einlieferung erspart. Durch eine neue politische Situation verliert sich das Interesse an ihm. Dr. B. hat die Möglichkeit Österreich zu verlassen und geht nach New York ins Exil. Von dort aus betritt er den Dampfer.

Auf der Schiffsreise kommt es schließlich zur Begegnung mit Czentovic. Nach anfänglichem Zögern lässt er sich auf eine Schachpartie mit ihm ein. Die erste Partie wird von ihm gewonnen. In der weiteren Partie, im Spielrausch gefangen, die weiteren Züge imaginär schon gespielt, macht er einen falschen Zug und bricht die Partie ab, da er sich in Gefahr sieht, wieder in seinen Wahn zu fallen. Er verspricht sich nie wieder ein Schachbrett anzurühren.

Nach anfänglicher Skepsis, dass das Buch wieder ein nicht zeitgemäßer Klassiker, der schwer zu lesen ist, ist, muss ich sagen, dass ich positiv überrascht bin. Die Sprache ist gehoben, aber klar und gut verständlich. Die 110 Seiten waren kurzweilig und angenehm zu lesen.

Hintergrund zum Genre Novelle

Wie bereits der Buchtitel vorwegnimmt, handelt es sich in Zweigs Werk um eine Novelle.
Das Genre Novelle entstand in Italien zur Zeit der Renaissance. Die Bezeichnung entstammt dem italienischen Wort „novella“ und bedeutet Neuigkeit. Ein neues, außergewöhnliches Ereignis wird darin erzählt. Sie ist in ungebundener Sprache verfasst und der literarischen Gattung Epik zugeordnet. Dieses Genre gilt als Wegbereiter der realistischen Literatur.

Nahezu im Berichtstil erzählt der Autor einfach und objektiv, ohne zu kommentieren. Seine Darstellung ist dicht und im geradlinigen Handlungsverlauf auf das Ziel führend. Die geringe Anzahl und die zwei Protagonisten sind eindeutig und durchlaufen in der Erzählung keine Entwicklung, wie man an Dr. B und Czentovic erkennen kann. Der Wendepunkt der Geschichte tritt ein ,als Dr. B in die Schachpartie zwischen Czentovic und den Amateuren eingreift und diese somit zum Remis führt.

Die Reise auf dem Passagierschiff bildet die Rahmenhandlung, die Vorstellungen der Personen jeweils die Binnenhandlung. Das Leitmotiv ist das Schachspiel. Es stellt als Dingsymbol sinnbildlich den Konflikt zwischen dem europäischen Kulturmenschen und dem Faschismus dar.

Zweigs Novelle entstammt der Literatur, die während der Zeit des Nationalsozialismus entstanden ist. Das Buch gibt Einsicht ins Zeitgeschehen. Österreich wurde von den Nationalsozialisten besetzt und es folgten willkürliche Festnahmen und Folterungen. Die Isolationshaft des Dr. B. wird von Zweig sehr anschaulich und detailliert beschrieben und der Leser kann die Grausamkeit dieser Form der Folter gut nachvollziehen.

von Fabian Lange

Wer hatte nicht schon immer einmal Lust ein Theaterstück zu lesen, in dem es um den Nationalsozialismus und die Kirche geht? Richtig! Ich auch nicht, gemacht hab ich es trotzdem, und das Folgende ist dabei rausgekommen...

Wer sich knapp 360 Seiten Theaterstück durchlesen will, mit knapp 75 Seiten Regieanweisungen, ca. 100 Seiten im Dialekt, die man nicht wirklich versteht, der ist beim Stellvertreter von Rolf Hochhuth genau richtig.

Aufgrund seiner Länge ist das Drama in den Details sehr komplex. Betrachtet man die Handlung allerdings nicht bis ins kleinste Detail, sondern als großes Ganzes, ist es nicht mehr so komplex. Es folgt der Versuch einer Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte.

Das Drama spielt im Jahr 1942, Hitler ist an der Macht und der Haupt-Aufhänger ist die Verfolgung und Vernichtung der Juden. Der Papst weigert sich bis Kriegsende sich öffentlich gegen die Vernichtung der Juden zu stellen. Die Folgen daraus sind, dass kein kirchlicher Vertreter etwas gegen diese Untaten unternehmen kann, da ihnen durch das Zögern des Papstes die Hände gebunden sind. Dies wird offensichtlich, als SS-Obersturmführer Kurt Gerstein, welcher mehrmals versucht die Vernichtungslager zu sabotieren (was ihm allerdings nicht so recht gelingt), sich an den Nuntius Berlins (der Päpstliche Vertreter Berlins) wendet und mit Hilfe des Paters Riccardo versucht, den Nuntius zu überreden gegen die Judenvernichtung zu protestieren. Wie schon erwähnt, sind diesem allerdings die Hände gebunden. Pater Riccardo setzt sich für die Juden ein und geht nach Auschwitz quasi als Stellvertreter des Papstes. Der Pater versucht erfolglos den dort ansässigen sadistischen Doktor zu bekehren. In einer verzweifelten Rettungsaktion versucht Gerstein seinen jüdischen Freund Jacobson zu retten, indem er ihn als den Pater ausgibt. Die versuchte Täuschung wird aufgedeckt, und bei Gersteins Verhaftung stirbt Pater Riccardo, nach einem versuchten Mordversuch am Doktor.

Charakterisierung:

Kurt Gerstein:

Bei Kurt Gerstein handelt es sich um einen modernen Christen, gefangen in der engen Uniform seines Jobs als SS-Obersturmführer. Er hat für seine Mission, nämlich die Judenvernichtung zu stoppen, eine Leidenschaft entwickelt, sodass nicht einmal sein Job bei der SS ihn aufhält. Dementsprechend kann man ihn durchaus als einschüchternd beschreiben.

Papst Pius XII.:

Sieht sich selbst als den Retter, und Hitler sei nicht gefährlich, solange man ihn nicht provoziert. Durch seine hinterlistige und temperamentvolle Art schafft er es, sich alles so zu drehen und zuwenden, wie es ihm gefällt und passt.

Wie es sich gehört, handelt es sich bei dem Theaterstück um eine besondere Gattung, das sogenannte dokumentarische Theater. Ausnahmsweise ist genau das drin, was draufsteht. Historische Dokumente werden als Quellen zum Erstellen eines fiktionalen Textes benutzt.

Die harte Kritik am Papst ist sehr offensichtlich. Hochhuth kritisiert vor allem, dass der Papst, obwohl er sich der Umstände im Deutschen Reich durchaus bewusst war, das kirchlich-deutsche Verhältnis nicht gefährden wollte. Natürlich kritisiert er auch die Judenverfolgung im Allgemeinen, allerdings liegt der besondere Fokus auf dem Nicht-Handeln des Papstes.

Falls man jetzt in Erwägung ziehen sollte, das Drama zu lesen, kann ich nur dazu raten, es nicht an einem tristen regnerischen Tag zu lesen. Durch die durchaus bedrückende und realistisch dargestellte Thematik ist das Drama keine Gutenachtgeschichte.

Wem das sogenannte Print Medium in Form eines Buches nicht zusagt, kann sich auch den gleichnamigen Film von Costa-Gavras anschauen.

 

Dieses Buch musst du gelesen haben: Der Fantasy-Tipp des Monats!

von Marina Bonn

Wie viel Hass passt in ein Leben? Sie ist ohne Namen, ohne Kindheit, ohne Skrupel. Während andere zaudern, noch überlegen, was gut, was schlecht oder was richtig, was falsch ist, handelt sie bereits. Meistens schlecht und falsch. Eine verlorene Herkunft, tief in ihr brodelnd, sucht sich seinen Weg an die Oberfläche.

„Die Auftragsmörderin“ ist der erste Roman der Fantasy-Reihe „Die Krosann-Saga“ von Sam Feuerbach und wurde im Mai 2014 vom Autor selbst verlegt. Auf 378 Seiten wird die Geschichte des 14-jährigen Prinzen Karek Marein erzählt, der irgendwann der König des Reiches Toladar werden soll.

Jedoch interessieren ihn die Geschichtsstunden und besonders die Übungen mit dem Schwert nicht im Geringsten. Er hat nur eine Leidenschaft: Essen. Gleichzeitig wird von einem abtrünnigen Fürsten des Königs eine eiskalte Auftragsmörderin auf den jungen Prinzen angesetzt. Ein epischer Kampf um Frieden und Gerechtigkeit beginnt. Die Auftragsmörderin (auch „die Krähe“ genannt) und Karek sind die beiden Hauptfiguren in dieser Geschichte. Während der Prinz nach einem gescheiterten Attentatsversuch inkognito in eine Soldatenausbildung auf Burg Felsbach eingeschleust wird und dort zum ersten Mal in seinem Leben echte Freunde findet, verfolgt ihn die Auftragsmörderin und plant seine Beseitigung.

Diese ständigen Perspektivenwechsel zwischen den beiden Protagonisten erzeugen einen Kontrast, wie man ihn nur selten sieht: Während Karek, verwöhnt und verweichlicht, immer noch an das Gute im Menschen glaubt, sieht die sich vor Hass verzehrende Krähe überall nur Feinde, Mord und Totschlag. Sie tötet zum Spaß und geht dabei völlig logisch und brutal vor. Leider werden manche Klischees erfüllt, so zum Beispiel das unglaublich hässliche Aussehen und die fürchterliche Stimme Fürst Schohtars, des Gegenspielers unseres Helden.

Ganz im Gegensatz dazu steht die ungewöhnliche Hauptfigur: Denn es geht in diesem Roman endlich einmal nicht um einen athletischen, gut aussehenden und charmanten Prinzen, sondern um einen dicken, kleinen Jungen mit viel kindlichem Charme, der sich über einen langen Prozess hinweg zu einem erwachsenen Mann entwickelt.

Der Roman „Die Auftragsmörderin“ eignet sich hervorragend für jeden Fantasy-Bücherwurm; die Geschichte ist unglaublich spannend und mitreißend erzählt. Sam Feuerbach trifft mit wenigen Worten immer den richtigen Ton und schafft es so, durchweg die Spannung zu halten. Allerdings empfiehlt sich dieses Buch nicht für Kinder; die Kampf- und Mordszenen sind teilweise sehr bildhaft beschrieben und auch Themen wie Vergewaltigung, Folter und Hinrichtungen werden behandelt. Ich empfehle daher ein Mindestalter von 12 Jahren. Meiner Meinung nach sind sowohl dieser Band als auch alle weiteren ihr Geld wert und ich empfehle wirklich jedem, der gerne in fremde und faszinierende Welten eintaucht, die gesamte Reihe zu lesen.

Der mörderische Aufstieg des Jean-Baptiste Grenouille

von Johannes Kramb

Patrick Süskind (*1949) ist ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor, der durch seinen bisher einzigen Roman "Das Parfum" (1985) internationale Bekanntheit und Wohlstand erlangte. Der zwischenzeitliche Geschichtsstudent aus Bayern, dessen Vater auch schon Schriftsteller war, tritt jedoch kaum an die Öffentlichkeit. Bilder oder Interviews sind eine Mangelware und die zahlreichen Literaturpreise lehnte er ab. Zu der Weltpremiere der Verfilmung "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" in München erschien er ebenfalls nicht. Das beeinflusst jedoch den Erfolg seines Meisterwerkes nicht. 20 Millionen Verkäufe in 48 Sprachen sprechen eine deutliche Sprache. "Das Parfum" zählt zudem zu den erfolgreichsten Romanen des 20. Jahrhunderts und dient als Aushängeschild der Epoche der Postmoderne (1970-2000).

Paris im Jahre 1738. Die Stadt, die Straßen, jede Gasse stinkt. Doch besonders schlimm ist der Fischmarkt, auf dem Jean-Baptiste Grenouille eines morgens geboren wird. Die Mutter, die ihn jedoch mit dem Fischabfall entsorgen will, da sie kein weiteres Kind möchte, wird geschnappt und wenig später wegen versuchter Kindstötung hingerichtet. Grenouille kommt zu verschiedenen Ammen, jedoch geben diese Jean-Baptiste schnell wieder zurück mit der Begründung, er habe keinen Eigengeruch und sei vom Teufel besessen. Schließlich kommt er über Umwege zu Madame Gaillard, deren Arbeit es ist Waisenkinder aufzunehmen und großzuziehen. Schnell wird Grenouille jedoch ausgeschlossen, da er den anderen Kindern unheimlich und komisch vorkommt. Er erkundet alles, riecht an allem, was er sieht, merkt sich jeden Geruch und sieht die komplette Welt aufgrund seiner Gabe, die feinste Nase der Welt zu besitzen, ganz speziell und eigen. Als Jean-Baptiste verspätet Sprechen lernt, kommt er zu dem Gerber, unter dem er hart arbeiten muss. Das macht ihm aber nichts aus, da er sehr zäh und nicht kleinzukriegen ist. Eines Tages riecht er auf einmal einen Geruch, der ihm unbekannt ist. Noch nie zuvor roch er so etwas Gutes. Er folgt seiner Nase und gelangt zu einem Mirabellenmädchen. Grenouille schleicht sich heran und erwürgt sie, um ihren Duft zu extrahieren und zu besitzen. Doch dieser Duft verfliegt aufgrund des Leichengestanks relativ schnell und Grenouille muss nun lernen, wie man Düfte extrahiert und konserviert. Als er das schließlich bei Baldini, einem Parfumeur aus Paris, erlernt und ihm so, wegen seiner genialen Nase, ein Vermögen und zahlreiche Kunden beschert, zieht er weiter nach Grasse, die Stadt des Parfums, um die Fähigkeiten der Konservierung zu perfektionieren. Das Konservieren von menschlichem Geruch gelingt ihm nämlich bei Baldini nicht. Auf dem Weg nach Grasse, bemerkt er die menschenlose, gutriechende Natur Frankreichs und erfährt hier erstmals, dass er selber keinen Eigengeruch hat. In Grasse angekommen gelingt es ihm heimlich unter Marquis, einen menschenähnlichen Duft zu erschaffen. Aufgrund dessen Qualität wird er erstmals in der Gesellschaft akzeptiert und jeder, der es riecht findet, ihn sympathisch. Ihm ist es gelungen den Eigengeruch von Menschen zu konservieren und in ein Parfum zu verwandeln. Das macht ihn genial und abscheulich zu gleich. Im Laufe der Zeit bringt er zahlreiche junge Frauen um, um an ihren Duft zu gelangen, extrahierte diesen und kommt somit der Verwirklichung seines Lebensziels immer ein Stück näher. Das Kreieren eines einzigartigen, genial riechenden Dufts, der jeden Menschen alle Sorgen vergessen lassen wird. Um dies zu erreichen, fehlt jedoch zu den drei Grundnoten des Parfums jetzt nur noch eine zusätzliche besondere Note, die das Parfum von allen abhebt. Er trifft in Grasse auf Laure, die seiner Ansicht nach die perfekte Essenz in sich trägt, um das ultimative Parfum fertigzustellen. Die auffällig vielen Morde in Grasse, die immer gleich abliefen, lassen Laures Vater keine Ruhe, weshalb er beschließt mit seiner Tochter zu fliehen, um sie zu beschützen. Der genialen Nase Grenouilles entgeht dies natürlich nicht und er verfolgt beide. Als er sie findet, ist es ein Leichtes sein letztes Opfer umzubringen. Nach dem Tod Laures, wird Grenouille jedoch auf dem Weg zurück nach Grasse erwischt und festgenommen und zum Tode verurteilt. Bei der Zeremonie der Hinrichtung trägt Grenouille jedoch sein nun perfektes Parfum auf. Alle Anwesenden sind hin und weg, finden ihn sympathisch und erklären ihn schließlich für unschuldig. Grenouille erreicht durch den Geruch seines Parfums und dessen Aura ein derart hohes Ansehen in der Gesellschaft und macht alle Sorgen vergessen. Jean-Baptiste geht zurück nach Paris, zu dem Fischmarkt, auf dem sein mörderischer Aufstieg begann. Er erkennt, dass er nur aufgrund seines Duftes beliebt ist, und schüttet es sich über den Kopf. Alle drehen sich um und kommen Grenouille immer näher, bis sie schließlich über ihn herfallen und ihn auf der Stelle aufessen, um ein Teil von ihrem "Engel" zu besitzen.

So endet der Roman Süskinds und die Geschichte eines einsamen, nicht geliebten Mannes, der für Akzeptanz in der Gesellschaft alles tun würde und letztendlich auch tat.

Der aus der Postmoderne, in der man häufig auf alte Traditionen und Antihelden, die außerhalb der Gesellschaft standen, stammende Roman lässt sich in vier große Bereiche einteilen: Sein Kindesalter, seine Lehre, sein Lebenswerk und sein Tod. Auffällig im gesamten Buch ist die immer wiederkehrende sehr detaillierte Beschreibung aller Aktionen, was dem Leser genaue Informationen zu den Personen und den Techniken des Parfumeurs liefert. Jedoch wirken diese Details manchmal etwas zäh. Anders jedoch könnte man sich nicht in Grenouille hineinversetzen. Süskind will außerdem, dass der Leser selbst ins Geschehen mit einbezogen wird und sich Gedanken macht, was durch häufige Verwendung von Reflexivpronomen deutlich wird. Die Geschichte, die auktorial erzählt wird, beschäftigt sich größtenteils mit Grenouille selbst. Nebencharaktere werden nur kurz angerissen und danach nie wieder erwähnt, was ersichtlich wird durch die Tatsache, dass viele Nebencharaktere nach dem Kontakt mit Grenouille starben. Die Erzählung ist alles andere als linear. Es gibt viele Zeit- und Ortssprünge, zudem ändert sich das Erzählverhalten ständig. Mal Zeitdeckung, mal Zeitdehnung oder Zeitstreckung. Das gesamte Buch verfolgt einen stark antithetischen Grundgedanken, was allein die Tatsache zeigt, dass der Mann mit der besten Nase der Welt "am allerstinkendsten Ort" geboren wird und dort auch stirbt. Zusätzlich zu dem genialen Geruchssinn hat er keinen eigenen Geruch.

Alles in allem ist dieses Werk von Patrick Süskind eine sehr spannende, tragische, fast düstere, aber trotzdem leicht verständliche Geschichte eines kaltblütigen Mörders, in dessen Gedankenwelt man in diesem Buch einen starken Einblick gewährt bekommt. Parallel bekommt man außerdem detaillierte Beschreibungen der damaligen Umstände und des Berufs des Parfumeurs. Wer trotz dieses Lobes kein Interesse an diesem Buch hat, dem kann ich die Verfilmung aus dem Jahr 2006 sehr empfehlen, welche sie sehr authentisch und spannend gemacht ist.

Unterkategorien