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Von dunklen und hellen Orten

von Dirk Simon

Geschichte hautnah erlebten in diesem Jahr alle 9. Klassen des Hermann-Staudinger-Gymnasiums Erlenbach/Main bei ihrer Exkursion in eine KZ-Gedenkstätte und einer weiteren Station eines historischen Ortes.

In der neunten Jahrgangsstufe behandelt der Lehrplan das Kapitel des Dritten Reiches von 1933 bis 1945. Wie umgehen mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte? Der Zentralrat der Juden fordert, dass jeder Neuntklässler in eine KZ-Gedenkstätte gehen sollte, „und das setzen wir um“, wie es Jutta Rosenberger-Klein, Geschichtslehrerin und Mitarbeiterin der Schulleitung, hervorhob. Die Fachschaft Geschichte/Sozialkunde unter der Leitung von Dirk Simon organisierte in diesem Jahr die Fahrten der 9. Jahrgangsstufe.

Die Klassen 9a und 9c brachen mit ihren Lehrkräften gen Thüringen auf, um die KZ-Gedenkstätte Buchenwald zu besuchen. Den Abschluss stellte ein Besuch Erfurts mit einer Stadtführung der jüdischen Geschichte der Stadt dar, bevor die Heimreise angetreten wurde.

Die Klassen 9b und 9d machten sich mit dem Bus auf in Richtung Osten. Kurz vor der tschechischen Grenze lag der erste Stopp der Exkursion, die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Eindrücklich und interessant gestalteten die Tour-Guides vor Ort für die Schüler die Führung, die durch das Eingangstor mit der zynischen Inschrift – wie in Buchenwald - „Jedem das Seine“ begann. Über den Appellplatz des Strammstehens und die Baracken, die für 200 Gefangene konzipiert und schlussendlich mit 2000 Insassen belegt waren, lief die Gruppe zu den Krematorien, die den Abschluss an diesem Ort des Verbrechens bildeten. Die Schüler stellten Fragen und „es ist schon krass, an diesem Ort hier zu stehen“, wie es ein Schüler formulierte. Nachdenklich fuhr man nach Erfurt, um am Dom die antisemitische Kritik innerhalb des Kirchenbaus zu erfahren, aber auch die Toleranz der Stadt kennen zu lernen.

In Nürnberg erfuhren die Schüler, dass das geplante Reichsparteitagsgelände sechsmal so groß wie die Altstadt Nürnbergs werden sollte. Die Ideen des Stadions, der Kongresshalle und der Aufmarschstraße symbolisieren den Größenwahn Hitlers, der dadurch seine Machtfülle demonstrieren wollte. Eine Kongresshalle von 60 Metern Höhe, die Platz für 150000 Menschen bieten sollte, war allerdings statisch gar nicht möglich. Die Schüler erfuhren, dass das Material für den Bau in Flossenbürg im Steinbruch erarbeitet wurde und stellten damit die Verbindung der beiden Orte her. „Für die Schüler gelebte Geschichte, die durch das Schulbuch und die Erzählung nie ersetzt werden kann“, wie Markus Füller, Geschichtslehrer, feststellte.

 

Geschichte Exkursion Erfurt