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Heißluftdusche kalt bestaunt

von Dirk Simon, September 2017

Bei windigem Wetter versammelten sich die beiden W-Seminarkurse (Leitfach Geschichte) auf der Bastion des Ernst-May-Hauses in Frankfurt. Die Schüler des Hermann-Staudinger-Gymnasiums hatten unter der Leitung von Markus Füller und Dirk Simon das Thema „Weimarer Republik“ für ihre Seminararbeit gewählt und wollten sich vor Ort ein Bild vom Alltag der Weimarer Republik machen. Das Ensemble um das Ernst-May-Haus sollte die Wohnungsnot der Weimarer Republik in Frankfurt beseitigen, aber nicht nur damals, „um 1400 Bewohner wächst Frankfurt aktuell pro Monat“, verriet Herr Schöneberg, der durch die Anlage führte, „und steht damit vor ähnlichen Problemen wie 1925.“ Herr Schöneberg führte aus, dass durch das Heimstättengesetz jeder Bürger der Weimarer Republik Anspruch auf ein Dach über dem Kopf hatte und dies in Frankfurt zum Bau der Römerstadt und 25 weiterer Siedlungen führte, um damit Wohnraum für 60000 Personen zu schaffen, „der dann aber auch nicht mehr reichte“, wie Herr Schöneberg seufzend feststellte. Das Leben in der Siedlung sollte Neid beseitigen und das Miteinander fördern, daher besaßen die Wohnungen eine identische Inneneinrichtung und die Wäscheleinenvorrichtungen, die über den Garten zum Nachbarn gingen. „Die haben sich damals eine Menge einfallen lassen, wie zum Beispiel auch die Gärten, die auf 200qm Nutzfläche vier Personen das ganze Jahr über ernähren konnten“, wie es Herr Schöneberg formulierte. Die Schüler erkundigten sich nach der Umweltverträglichkeit der Siedlung und staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass es keine Mülltonnen gab, da die Bürger der Weimarer Republik „bis auf den Kompost keinen Müll verursachten.“ Geschichte Ernst May Haus Sept17 HP

Im Musterhaus des Ernst-May-Hauses steht, weltweit einzigartig, noch eine „Frankfurter Küche“: Nur sechseinhalb Quadratmeter, also 1,87 Meter breit und 3,44 Meter lang, das waren die Mindestmaße der flurähnlichen Standardküche, die die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky 1926 entwarf und die Funktionalität der damaligen Zeit zu einem Höhepunkt trieb. Ein Elektrooofen war die Neuheit in dieser Küche, ebenso brandheiß war die Heißluftdusche, heute bekannt unter dem Markennamen „Fön“. Auch der Linoleumboden, der aus natürlichen Rohstoffen hergestellt wurde, gehörte zur Originaleinrichtung dieser Wohnungen und vermittelte einen Eindruck vom Wohnen und Leben in dieser Zeit.

Die Schüler fuhren so mit einer großen Portion Alltagsgeschichte der Weimarer Republik im Gepäck wieder nach Hause.