Üppiges Klangerlebnis mit romantischer Theatralik

Konzertmesse: Charles Gounods „Messe Solenelle de Sainte Cécile“ als gigantisches Festkonzert in Erlenbach am Main

Erlenbach
Ein großer Chor, ein großes Orchester und große theatralische Musik - Gemischter Chor und Junge Philharmonie haben sich in Erlenbach am Main diesmal selbst übertroffen. Unter der Leitung von Bernhard Wehle und mit professioneller Unterstützung der Solisten Esther Hock (Sopran), Ralf Emge (Tenor), Christoph Kögel (Bariton) und Peter Schäfer (Orgel) gab es in der Kirche St. Peter und Paul das Festkonzert zum 25-jährigen Jubiläum der Albiez-Orgel mit Charles Gounods Cäcilienmesse. Musik als romantischen Rausch, über den nach der Erstaufführung 1855 Camille Saint-Saens noch ganz benommen schrieb: „Glänzende Strahlen gingen von dieser Messe aus ... zunächst war man geblendet, dann berauscht und schließlich überwältigt“.

Die große Besetzung dieser Orchester-Messe ist selten vorhanden und lässt sich nicht so einfach verwirklichen. Umso mehr ist zu bewundern, wie Bernhard Wehle das Potential, das in Erlenbach vorhanden ist, zu motivieren und zu nutzen weiß. Die vom Komponisten vorgeschriebenen zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, vier Fagotten, vier Hörner, Trompeten, Posaunen, Schlagzeug, Harfe und Streicher sowie die Orgel konnten alle in Erlenbach in der Jungen Philharmonie und den Blechbläsern des Hermann-Staudinger-Gymnasiums aufgetrieben werden. 160 Sänger und Orchestermusiker, die Hälfte davon Jugendliche, fanden so zu einem überwältigendem Klangkörper zu Ehren der Schutzpatronin der Kirchenmusik zusammen. Nicht nur im Fortissimo überzeugten die volltönenden Sänger und Musiker. Gerade auch romantisch verklärende Piano-Passagen bewegten die Zuhörer in der voll besetzten Kirche. Der Summ-Chor im „Gloria“ zum warmen Sopran Esther Hocks geriet zur wahren Andacht.

Das zwar feierliche, aber durch Bläser und Schlagwerke dramatisch gesteuerte Credo mit dem zarten „Et incarnatus est“ der perfekt harmonierenden Solisten aber auch gewaltig gesteigertem Unisono-Chor zeigte die dramatische Kraft, mit der Gounod, der vor allem als Opernkomponist unvergessen ist, ans Werk ging. Wehle baute in den fordernden Chorsätzen immer wieder neu Spannung auf und spitzte die Echo-Effekte zwischen Solisten und Chor zu. Mit Ralf Emge als Tenor und Christoph Kögel als Bariton hatte er technisch brillante Solisten mit herrlichen Stimmen, die aber auch bereit waren, in den Terzetten ritterliche Zurückhaltung zu üben.

Die Jubilarin selbst, die 25 Jahre alte Albiez-Orgel mit ihren 46 Registern, fächerte an diesem Festtag ihr außergewöhnlich reiches Klangvolumen auf. Mit dem vielschichtigen „Choral a-Moll“ von César Franck zeigte Regionalkantor Peter Schäfer fingerfertig die Vorzüge dieser mächtigen Königin der Instrumente. Mit den schillernden, unruhigen Stimmen zum breiten Thema stand Francks Choral der Messe an Dramatik kaum nach. Schäfer schuf so das Sahnehäubchen zum festlichen Jubiläumsglanz.

Artikel und Bilder aus dem Main-Echo vom 28.04.2010 von Daniela Tiggemann

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