Konfliktlotsen am Hermann-Staudinger-Gymnasium

1. Vorwort

Konflikte sind LERNSITUATIONEN, keine Unfälle!
Niemand lebt für sich allein. Wo Menschen zusammentreffen, kommt es zu Spannungen. Denn so verschieden wie sie selbst, sind auch die Wünsche und Ziele der Menschen. Was z. B. in einer Familie unmöglich ist, erfährt in der anderen keinerlei Widerspruch. Auch alles Fremdartige verunsichert uns. Darum fällt es uns oft schwer, das Ungewohnte und Eigenartige an unseren Mitmenschen zu akzeptieren. Konflikte sind normal.

2. Verfahren

Bei einem Konflikt zwischen Schülern können diese Schüler selbständig zwei der ausge-bildeten Konfliktlotsen hinzuziehen, die sie wiederum aus einem Pool auswählen können. Konfliktlotsen sind SchülerInnen, die bei Konflikten unter ihresgleichen vermitteln, das heißt, sie sind mediatorisch (vermittelnd) tätig. Sie erhalten dafür eine Schulung in Mediation.

Mediation ist eine Methode der Konfliktberatung, bei der es keinen „Verlierer“ gibt bzw. bei der beide Streitenden nach der sogenannten win-win-Strategie etwas aus diesem Konflikt lernen („hinzugewinnen“).

Konfliktlotsengespräche bzw. Konfliktberatungen finden in aller Regel zu festgelegten Zeiten während der Pausen bzw. bei etwas längeren Gesprächen auch noch während der Unterrichtszeit im Konfliktlotsenzimmer, dem „Durchgangsraum“ zwischen der Mensa und dem mit roten Sesseln bestückten Atrium statt. Ausfallender Unterricht ist für alle Betroffenen nachzuarbeiten. Es ist organisatorisch sicherzustellen, dass bei keinem Betroffenen Schulaufgaben tangiert werden.

3. Und so kommt ihr an die Konfliktlotsen ran

Die Konfliktlotsen sind immer in der ersten Pause am Meetingpoint vor dem Haupteingang bzw. bei schlechtem Wetter in der Aula vor der Tür zum Atrium oder in der Nähe des Konfliktlotsenzimmers anzutreffen. Wer an einem bestimmten Tag unbedingt einen anderen als den im Plan aufgelisteten Konfliktlotsen sucht, der geht am Anfang einer Pause zum Klassenzimmer derjenigen Konfliktlotsen, denen er vertraut und spricht sie dort an.

Ihr könnt aber auch erst mich (A. Seeger) ansprechen und ich werde dann zwei Konfliktlotsen nach eurem Wunsch einteilen.

Fotos der Konfliktlotsen können im Konfliktlotsenzimmer (zwischen Mensa und Atrium) angesehen werden!

Link zum aktuellen Konfliktlotsen-Moodlekurs

4. Wie läuft ein Konfliktgespräch ab?

Nach der Begrüßung und der Erläuterung des Hauptziels eines Konfliktgesprächs (beide sollen als Gewinner aus dem Gespräch herausgehen) erhalten beide Kontrahenten die Möglichkeit, den Konflikt aus ihrer Sicht zu schildern.
Anschließend wird über die Motive für den Konflikt und die Gefühle während des vorgefallenen Streites und im Augenblick gesprochen.
Danach schreibt jeder der Streitenden auf, was er/sie selbst tun möchte und was er/sie vom anderen erwartet, um konstruktiv mit dem Konflikt umzugehen.
Nun wird nach Übereinstimmungen der beiden Listen gesucht und eine für beide akzeptable Vereinbarung gefunden.
Diese Vereinbarung wird auf einem Vertrag festgehalten, der von beiden Konfliktparteien unterschrieben wird.
Zum Schluss bekommt jeder der Beteiligten eine Kopie des Vertrags und sie vereinbaren noch vor der Verabschiedung einen Termin in vierzehn Tagen, an dem überprüft wird, ob die Vereinbarungen eingehalten wurden.

5. Inhalte bei der Ausbildung der Konfliktlotsen

  • Förderung der emotionalen Intelligenz: Welche Gefühle (Emotionen) stecken hinter welchen Äußerungen?
  • Was ist ein Konflikt? Konflikte sind Lernsituationen!
  • Typische Reaktionen in Konflikten erkennen: Ich-Du-Botschaften.
  • Sich in den Anderen hineinversetzen: Nicht verletzend reagieren!
  • Bedingungen für Kommunikation besser verstehen lernen: Aktives Zuhören!
  • Wie führe ich ein Vermittlungsgespräch? (Mediationsplan, Einleitungsphase, Konflikterhellung, Konfliktberatung, Vereinbarung)

Über diese Inhalte wird ein Test geschrieben und mit dem theoretischen Hintergrund auch ein Konfliktgespräch praktisch durchgeführt. Wer diese Konfliktlotsenprüfung bestanden hat, bekommt die Qualifikation als Konfliktlotse. Jedem Teilnehmer wird also eine Urkunde ausgehändigt, die für eine spätere Bewerbung von großem Nutzen sein kann.

Voraussetzung für künftige Konfliktlotsen ist Beständigkeit in der Ausbildung (es gibt ein Zertifikat) und wenigstens ein Jahr „Einsatz“ als Konfliktlotse.

Mit dieser Konfliktlotsenausbildung wird die Heranbildung von Schüler-persönlichkeiten unterstützt. Zudem erlernen die SchülerInnen Fertigkeiten, die für das spätere Leben in Beruf, Partnerschaft und Gesellschaft von großer Bedeutung sind.

7. Aus dem Bericht einer Konfliktlotsin in der Schülerzeitung

„Es kann also grundsätzlich jeder Schüler, der einen Konflikt mit jemanden hat, zu uns kommen. Denn alle Beteiligten haben Vorteile von einer gemeinsamen Vereinbarung, die wir nach dem Sicherheits- und Präventionsseminar mit Euch Schritt für Schritt erarbeiten.
Wir Konfliktlotsen sind also keine Autoritäten wie die Lehrer und möchten auch mit „Du“ angesprochen werden. Wir wollen nämlich als „Vermittler“ bzw. „Helfer“ angesehen werden. Ihr wählt sogar selbst aus, zu welchen Konfliktlotsen ihr gehen wollt.
Wir sind an einer klar vorgegebenen Reihenfolge gebunden sind, für die wir geschult wurden. Nur diese Schulung befähigt uns, vermittelnd für Euch da zu sein.
Übrigens: Wir unterliegen einer Schweigepflicht. Das heißt, weder irgendein Lehrer noch sonst ein Außenstehender bzw. Mitschüler wird etwas von dem Konfliktgespräch erfahren.“

 

Also nutzt diese Chance, dass euch hier am HSG vertrauensvolle Konfliktlotsen zur Verfügung stehen.

A. Seeger (Ausbilder der Konfliktlotsen)

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